Das Schmieden
Schmieden ist das älteste Verfahren zur Formgebung von Metall. Dabei wird Eisen oder Stahl in einer Esse (Kohle-, Gas- oder Elektroesse) auf Schmiedetemperatur gebracht – je nach Stahl zwischen 900 und 1200 °C – und dann durch Hämmer auf dem Amboss in Form gebracht. Die wichtigsten Schmiedeoperationen sind:
- Recken: Verlängern und Verjüngen des Werkstücks durch Hämmern quer zur Längsachse.
- Stauchen: Verkürzen und Verdicken durch Schläge auf die Stirnfläche.
- Lochen: Einbringen von Löchern ohne Spanabhebung mit Lochdornen.
- Biegen: Umformen über Kanten, Hörner des Ambosses oder Biegeformen.
- Schweißen (Feuerschweißen): Verbinden zweier Eisenteile durch Hämmern im weißglühenden Zustand – die historisch älteste Schweißtechnik.
Das Treiben
Beim Treiben werden Bleche aus Kupfer, Messing, Silber oder dünnem Eisen durch gezielte Hammerschläge über Formhölzer (Treibklotz) oder in Pech- oder Sandbetten dreidimensional verformt. So entstehen Reliefs, Vasen, Schalen oder figürliche Objekte. Das Treiben erfordert ein schrittweises Zwischenglühen (Ausglühen) des Materials, da es durch Kalthämmern spröde wird.
In Deutschland ist das Treiben vor allem im Bereich kirchlicher Kunstgegenstände (Kelche, Reliquiare, Kronleuchter) sowie in der Restaurierung historischer Schmuckelemente überliefert. Das Deutsche Goldschmiedehaus in Hanau dokumentiert diese Tradition mit einer umfangreichen Sammlung.
Ziselieren und Gravieren
Ziselieren bezeichnet die Oberflächenbearbeitung von Metallguss oder getriebenen Blechen mit feinen Ziseliermeißeln und einem Ziselierhammer. Dabei werden Konturen schärfer herausgearbeitet, Texturen erzeugt und Feinheiten modelliert. Gravieren hingegen trägt durch Stiche oder Fräsung Material ab und erzeugt Linien, Muster oder Schriftzeichen.
Für Wandobjekte und Beschläge aus Schmiedeeisen werden diese Techniken eingesetzt, um florale Ranken, Tiermotive oder Wappen in die Oberfläche einzuarbeiten. Im Berliner Kunstgewerbemuseum befinden sich zahlreiche Beispiele ziselierter Eisenarbeiten aus dem Barock und Klassizismus.
Patinieren
Patina bezeichnet die durch chemische oder mechanische Einwirkung entstandene farbige Oberflächenschicht auf Metallen. Bei Eisen und Stahl handelt es sich dabei meist um Eisenoxide (Rost), die durch gezielte Behandlung in eine stabile, dekorative Form überführt werden können:
- Säurepatina (Brünierung): Kurzes Einlegen in Phosphorsäure oder Eisenchlorid-Lösung erzeugt eine dunkle, blauschwarze bis braune Oberfläche; wird durch Einölen oder Wachsen versiegelt.
- Wärmepatina: Erhitzen des Metalls erzeugt angelaufene Farben (Anlassfarben); bei 200–300 °C entstehen Blau- und Violetttöne, die als Dekor genutzt werden.
- Mechanische Patina: Bürsten, Schleifen oder Strahlen erzeugt Glanz- und Mattbereiche; häufig kombiniert mit chemischen Verfahren.
- Naturrostoptik: Kontrollierter Korrosionsanfall mit anschließendem Klarlack-Versiegeln; beliebt bei Industrial-Design-Interieurs.
Niello und Tauschierung
Niello ist eine schwarze Schmelzmasse aus Silber-, Kupfer- und Bleisulfid, die in gravierte Vertiefungen von Metall eingeschmolzen wird. Tauschierung bezeichnet das Einarbeiten andersfarbiger Metallfäden (Gold, Silber, Kupfer) in Nuten einer Eisen- oder Stahloberfläche – eine im Orient und im mittelalterlichen Europa verbreitete Verzierungstechnik für Waffen und Geräte. Beide Verfahren sind heute auf Restaurierungsarbeiten und Einzelstücke der Kunstschmiede beschränkt.
Handwerk und Ausbildung in Deutschland
Die Ausbildung zum Metallbauer (Konstruktionstechnik/Metallgestaltung) nach BBiG dauert dreieinhalb Jahre und schließt Schmiedetechniken, Schweißverfahren (MAG, WIG, Feuerschweißen) und Oberflächenbehandlung ein. Kunstschmiede-Spezialausbildungen werden u. a. an der Fachschule für Gestaltung in Stuttgart sowie an handwerklichen Bildungszentren in Bayern und Sachsen angeboten. Die Innung der Metallbauer Deutschland (IMD) führt eine Verzeichnis regionaler Fachbetriebe.