Korrosion und ihre Ursachen
Korrosion an Eisen und Stahl entsteht durch elektrochemische Reaktion mit Sauerstoff und Wasser. Die Reaktionsgeschwindigkeit hängt von mehreren Faktoren ab:
- Luftfeuchtigkeit: Ab ca. 60 % relative Luftfeuchte setzt Korrosion merklich ein.
- Schadstoffe: Schwefeldioxid, Chloride (Straßensalz) und industrielle Emissionen beschleunigen den Angriff erheblich.
- Kontaktkorrosion: Berührung ungleicher Metalle (z. B. Eisen und Kupfer) in feuchtem Milieu bildet Lokalelement und beschleunigt den Abbau des weniger edlen Metalls.
- Spaltkorrosion: In engen, feuchten Spalten konzentriert sich Elektrolyt – eine kritische Situation z. B. bei Niet- und Schraubenverbindungen.
Rostentfernung
Vor jeder Beschichtungsmaßnahme muss vorhandener Rost vollständig entfernt werden, da er unter neuen Schichten weiter wächst. Geeignete Methoden:
Mechanische Entrostung
Drahtbürste (manuell oder als Aufsatz für Winkelschleifer), Schleifpapier (Körnung 60–120), Sandstrahlen. Für feine Ornamente empfiehlt sich Schleifvlies oder feine Stahlwolle (000-er Körnung), um Details nicht zu beschädigen. Reinheitsgrad nach DIN EN ISO 8501: Mindestens Sa 2½ (für Beschichtung), besser Sa 3 (nahezu blankes Metall).
Chemische Entrostung
Phosphorsäure-basierte Entrostungsmittel wandeln Eisenoxid in Eisenphosphat um, das als grauweißer, haftvermittelnder Film auf der Oberfläche verbleibt. Dieser sogenannte Konversions-Grundierung-Effekt erlaubt direktes Überstreichen ohne weiteres Schleifen. Handelsübliche Produkte: Owatrol DP6000, Brunox Turbo (in der Schweiz/Deutschland weit verbreitet), oder verdünnte Phosphorsäure (10 % in Wasser).
Wichtig: Säurereste müssen nach Einwirkzeit (15–30 Min.) vollständig mit Wasser abgespült und das Werkstück sofort getrocknet werden, da Restsäure Folgeschäden verursacht.
Grundierungen und Beschichtungen
Die richtige Schichtfolge ist entscheidend für die Dauerhaftigkeit des Korrosionsschutzes:
- Metallschutz-Grundierung: Zinkstaub- oder Epoxid-Grundierungen (z. B. Renner-Werke R1M, Wilckens Metallschutz-Grundierung) haften gut auf entrostetem Eisen und sperren Sauerstoff und Feuchtigkeit ab. Trockenzeit: 4–8 Stunden.
- Zwischen- oder Deckbeschichtung: Alkydharz-Lacke (Öllacke), Hammerschlaglacke oder Kunstharzlacke; mind. 2 Schichten. Für Außen sind wetterfeste Decklacke mit UV-Schutz erforderlich (z. B. Remmers Deckfarbe).
- Feuerverzinkung (DIN EN ISO 1461): Das Werkstück wird in flüssiges Zink (ca. 450 °C) eingetaucht; die entstehende Zinkschicht (50–85 μm) ist extrem dauerhaft. Geeignet für Außengeländer, Tor-Rahmen, Stützen. Nachteil: Filigranes Ornament kann Zinkrinnen bilden.
- Pulverbeschichtung: Elektrostatisch aufgetragene Polyesterpulver, eingebrannt bei 180–200 °C. Sehr robust, kratzfest, in allen RAL-Farben verfügbar. Schichtdicke typisch 60–80 μm.
Historisches Wachs- und Ölfinish
Für Innenbereich-Schmiedeeisen (Geländer, Kronleuchter, Wandobjekte) ist eine Behandlung mit Leinöl oder Bienenwachs sowohl historisch überliefert als auch ökologisch unbedenklich. Leinöl dringt in Poren ein und polymerisiert langsam (3–7 Tage Trocknung); Bienenwachs schließt die Oberfläche und verleiht seidigen Glanz. Beide Verfahren müssen alle 12–24 Monate erneuert werden, bieten aber keinen dauerhaften Schutz im Außenbereich oder bei intensivem Feuchtigkeitskontakt.
Pflegeplan für typische Eisenelemente
Innen-Treppengeländer
- Halbjährlich: Sichtprüfung, Flugrost mit feiner Stahlwolle entfernen, Wachsauftrag
- Alle 5 Jahre: Vollständige Reinigung, ggf. Neubeschichtung bei beschädigtem Lack
Außengitter und Zäune
- Jährlich: Sichtprüfung nach Frostperiode, Rostflecken schleifen und grundieren
- Alle 3 Jahre: Komplette Neubeschichtung mit 2-K-Metallschutzfarbe
- Im Frühjahr: Straßensalzreste mit klarem Wasser abspülen
Gusseiserne Heizkörper
- Regelmäßiges Trockenwischen; Vermeidung von Feuchtigkeit an den Anschlussnippeln
- Alle 10 Jahre: Abbeizen und Neulackierung mit hitzebeständigem Heizkörperlack (bis 120 °C)
Sicherheitshinweise bei Arbeiten mit Chemikalien
Entrostungsmittel und Lacke enthalten zum Teil reizende oder ätzende Substanzen. Erforderliche Schutzausrüstung: Schutzbrille, Nitril-Schutzhandschuhe (mind. 0,2 mm), ausreichende Belüftung des Arbeitsbereichs. Lösemittelhaltige Produkte sind gemäß Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) zu lagern und zu entsorgen; nicht in den Hausabfall. Altlacke mit Bleianteilen (vor 1980) müssen durch Fachbetriebe entfernt werden.